Waldkalender

Liebe Waldeigentümer und Waldinteressierte,

fast nirgendwo sonst in der Natur lassen sich die vier Jahreszeiten intensiver erleben als im Wald. Kälte und Stille im Winter, das pralle Leben im Sommer, das Aufblühen des Lebens im Frühling, die einkehrende Ruhe im Herbst – unser Waldkalender zeigt Ihnen, welche spannenden Abläufe sich im Wandel des Jahres im Wald vollziehen, aufgeteilt nach den Jahreszeiten, aber Monat für Monat. Er zeigt Ihnen auch, welche Tätigkeiten für einen Waldeigentümer im Rahmen einer nachhaltigen Bewirtschaftung seines Waldes anstehen. Denn: Von der Gesamtwaldfläche Deutschlands befinden sich rund 48 Prozent im Privatbesitz.

Beachten Sie bitte: Die hier aufgeführten Maßnahmen der Waldbewirtschaftung sind exemplarisch. Sie fallen meistens nicht jährlich an, oft sogar nur einmal im Leben eines Waldbestandes. Selbst Durchforstungs- und Pflegemaßnahmen finden je nach Bedarf alle fünf bis zehn Jahre statt.

Vielleicht entdecken Sie interessante Fakten über den Wald, von denen Sie bisher noch nichts wussten.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß!

Frühling
Sommer
Herbst
Winter
Ganzjährige Aktivitäten

Frühling

Endlich! Der Wald löst sich aus seiner Winterstarre.

Selbst wenn noch Schnee den Boden bedeckt, kann man schon die ersten Frühblüher entdecken. Das Schneeglöckchen ist die erste Blume, die schon im Januar der Kälte trotzt, Krokus und Huflattich folgen ihr im Februar. Aber Achtung: Schneeglöckchen und Krokus stehen unter Naturschutz! Später erblühen Märzenbecher, Lerchensporn, Buschwindröschen. Sie alle profitieren von einem genialen Trick der Natur: Sie lagern in saftigen Zwiebeln und dicken Rhizomen Vorräte ein, geschützt im Boden überstehen sie so auch den kältesten Winter. Und die jungen Amseln, die im letzten Jahr geschlüpft sind, proben schon mal ihre ersten Frühlingslieder.

fruehling

Bauernregel: Soviel Nebeltage im März, soviel Frosttage im Mai.

Was im Wald passiert

Im März kommen im Wald die ersten Jungtiere zur Welt. Nachwuchs gibt’s zum Beispiel bei Familie Wildschwein. Nur ein paar Tage verbringen die Frischlinge mit ihrer Mutter in einem Nest, mit spätestens drei Wochen erkunden sie schon den Wald. Die ersten Zugvögel kehren zurück. Der Schwarzstorch etwa segelt aus seinem Winterquartier in Afrika wieder nach Deutschland. Auch erste Kriechtiere wie die Ringelnatter lassen sich blicken. Und die Marienkäfer wachen auf; den Winter haben die Käfer unter Baumrinden oder in Ritzen verbracht – zum Schutz vor dem Erfrieren haben sie ein Frostschutzmittel im Blut. Übrigens: Am 21. März gibt’s für Waldeigentümer etwas zu feiern: Dann ist der „Tag des Waldes“, den die UN schon in den siebziger Jahren zum Schutz der Wälder ins Leben gerufen hat.

Was dem Wald jetzt guttut

  • Das Kiefernholz muss raus
    Kiefernholz, das im Winter geerntet wurde, sollte schon Anfang März nicht mehr im Wald liegen. Warum? Der Große und der Kleine Waldgärtner schwärmen jetzt schon aus und brüten in der Kiefernborke. Der Name Waldgärtner kommt nicht von ungefähr: Der maximal 4,8 Millimeter kleine Rüsselkäfer frisst die jungen Triebe der Bäume hohl, so dass sie abfallen. Stark befallene Baumkronen sehen dann wie beschnitten aus – als wäre ein Gärtner am Werk gewesen. Lagern Kiefernstämme zu lange im Wald, kann es außerdem zu Blaufäule kommen. Dadurch verfärbt sich das Holz. Das mindert zwar nicht die Stabilität des Holzes, jedoch den Preis beim Verkauf.
  • Verkehrssicherungskontrolle
    Jetzt ist die Zeit, noch einmal die Waldwege abzugehen. Stehen an ihren Rändern noch abgestorbene Bäume, hängen vom Wind angeschobene Bäume über dem Weg? Wenn das der Fall ist, sollten diese fachgerecht entfernt werden – allein schon wegen dem guten Gefühl für den Eigentümer, dass von seinem Wald keine Gefahr für Waldbesucher ausgeht

Schon gewusst?

Wenn die Wurzeln der Bäume im Frühling beginnen, Wasser bis in die letzte Spitze des höchsten Zweiges zu pumpen, dann kann man dieses Rauschen hören. Am besten geht das bei einer Birke. Man muss nur sein Ohr an den Stamm halten.

Bauernregel: April windig und trocken machshutterstock_83794591t alles Wachstum stocken.

Was im Wald passiert

Bäume wie die Douglasie, die Eibe, die Fichte oder die Lärche fangen an zu blühen. Auf dem Boden tun es ihnen Scharbockskraut, Taubnessel oder Ehrenpreis nach, auch Walderdbeere und Waldmeister. Die Lurche laichen, die Nachtigall kommt zusammen mit einigen anderen Arten aus dem Süden zurück. Und in
den Baummarder-Familien kommen drei bis fünf Junge zur Welt. Erstaunlich: Schon nach drei Monaten ist der Nachwuchs selbstständig. Der Igel beendet im April seinen fast ein halbes Jahr dauernden Winterschlaf.

Was dem Wald jetzt guttut

  • Vorsorge gegen Schädlingsbefall
    Ab April bis August schwärmen die meisten Forstschädlinge. Bis Ende des Monats sollte darum liegendes Holz aus dem Wald abtransportiert oder so klein geschnitten sein, dass es den Boden berührt und feucht bleibt – Forstschädlinge brüten bevorzugt in trockenem Holz. Gearbeitet wird hier aber im Sinne des Naturschutzes: Das Ökosystem Wald ist auf Totholz am Boden angewiesen, da es Lebensraum für eine hohe Zahl seltener Insekten- und Pilzarten bietet. Außerdem verbessert abgestorbenes Holz die Bodenqualität und erhöht die Artenvielfalt. Es wird also niemals alles Totholz aus dem Wald geholt.
  • Frühjahrspflanzung
    Waldbestände werden oft im Frühjahr durch Pflanzungen von Setzlingen verjüngt. Das kostet zwar mehr als die natürliche Verjüngung durch die Samen von Altbäumen, bietet jedoch auch einige Vorteile. Sind zum Beispiel auf einer Waldfläche Baumarten vorhanden, die dort eigentlich nicht vorkommen und vom Menschen eingebracht wurden, so kann man mithilfe von Pflanzung langfristig die Baumart wechseln – und so einen Bestand in einen naturnahen Wald zurückverwandeln. Die positiven Folgen für den Wald: höhere Artenvielfalt, größere ökologische Stabilität, weniger Schädlingsbefall. Setzlinge überwinden auch schneller sogenannte Jugendgefahren wie den Verbiss von Wildtieren.Ob Frühjahrspflanzung oder Herbstpflanzung – diese Entscheidung obliegt dem Waldeigentümer. Frostempfindliche Gehölze wie Esche oder Eiche sollten zum Beispiel im Frühjahr gesetzt werden. Was zu bedenken ist: Der Wasserbedarf der Pflanzen ist im Frühjahr höher als im Herbst, die Gefahr von Ausfällen aufgrund von Trockenheit somit größer.
  • Instandsetzungsmaßnahmen (bis August)
    Im April startet das zügige Wiederherstellen von Wegen, die von der Holzernte in Mitleidenschaft gezogen wurden. Sind die Wege instandgesetzt, freuen sich die Waldbesucher. Ebenso beginnt der Zaunbau – sofern eine Frühjahrspflanzung stattgefunden hat. Ein Zaun ist nur dann erforderlich, wenn es zu viel Wild auf der Waldfläche gibt und es zu teuer ist, Setzlinge einzeln zu schützen. Eine ganze Kultur einzuzäunen hat allerdings auch einen Nachteil: Der sogenannte Verbissdruck auf den angrenzenden Flächen erhöht sich, hungrige Pflanzenfresser weichen also auf andere Stellen im Wald aus.
  • Kulturpflege (Ende April bis Anfang September)
    In einem bewirtschafteten Wald gibt es auch unerwünschte Pflanzen, vor allem wenn Freiflächen neu bepflanzt werden. Dann sind es hauptsächlich Gräser, die den noch jungen Bäumen Licht, Wasser und Nährstoffe streitig machen. Werden sie entfernt, spricht man von Begleitwuchsregulierung. Auch besonders schlecht veranlagte Bäume sollten entfernt werden – die sogenannte Negativauslese. Baumarten, die seltener auf der Fläche vorkommen, wie zum Beispiel eine heranwachsenden Eiche in einem Kiefernwald, sollten gefördert werden. Experten nennen das Mischungsregulierung. Die Kulturpflege findet in Beständen statt, die eine Höhe von ein bis zwei Metern aufweisen.
  • Achtung, Borkenkäfer! (auch im Mai)
    Waldeigentümer begeben sich jetzt auf Suche – der Borkenkäfer ist die größte Gefahr für Nadelbäume. Dafür braucht es einen geschulten Blick: Ist Bohrmehl am Stamm und auf den Ausläufern der Wurzeln zu sehen? Harzen die Bäume verstärkt, weil sie sich gegen den Eindringling wehren? Auch schüttere oder vergilbte Baumkronen und grüne Nadeln am Waldboden können ein Indiz für Schädlingsbefall sein.Befallene Bäume sollten schnellstmöglich gefällt, aus dem Wald entfernt werden. Oder man entrindet sie: Sind nur Larven vorhanden, vertrocknen sie nach dem Entrinden. Haben sich jedoch schon Jungkäfer entwickelt, muss die Rinde gehäckselt oder verbrannt werden. Wichtig dabei ist, sehr auf die notwendigen Brandschutzmaßnahmen zu achten!

Schon gewusst?

Igel verlieren im Winterschlaf bis zu 30 Prozent ihres Körpergewichts. Kein Wunder, dass sie im Frühling so wuselig und hungrig sind.

Jetzt beginnt auch die Brutzeit der Vögel. Amseln, der Eichelhäher, der Buchfink und viele weitere Vögel sollten dabei möglichst nicht gestört werden. Eine besondere Nistmethode hat der Kleiber entwickelt: Der kleine, unscheinbare Vogel verklebt den Eingang einer Baumhöhle oder eines Nistkastens mit allem, was er im Wald finden kann, bis die Öffnung nur noch so groß ist, dass er gerade noch in den Kasten rein und wieder hinaus kommt.

Bauernregel: Im Mai ein warmer Regen bedeutet Früchtesegen.shutterstock_233503681

Was im Wald passiert

In Uferwäldern mit Baumbestand bringt jetzt der Biber drei bis vier Junge zur Welt, die mit zwei Jahren selbstständig werden. Der Dammbauer lebt übrigens treu in einer Partnerschaft. Im Mai finden sich auch die Ringelnattern zu Knäulen zusammen. Finden sich ein Weibchen und ein Männchen, so paaren sie sich. Wildschweine werfen jetzt bis zu 12 Frischlinge, die sie drei Monate säugen. Und die vom Vorjahr tragenden Ricken bringen ihre Rehkitze zur Welt, Setzzeit nennt der Förster das. Waldbesucher sollten daher auf den Waldwegen bleiben und das Wild nicht stören. Ein Kitz bitte in keinem Fall anfassen, so schwer es auch fallen mag! Wenn es den Geruch von Menschen trägt, kann es sein, dass seine Mutter es verstößt.

Was dem Wald jetzt guttut

  • Trockenastung
    In diesem Monat steht die sogenannte Trockenastung von Nadelbäumen an: Abgestorbene Äste, die noch nicht dicker als drei Zentimeter sein sollten, werden bis zu einer Höhe von vier Metern bündig am Stamm abgesägt – denn dieser Bereich des Stammes ist am wertvollsten. Der Grund für die Astung: Nadelbäume sind Totasterhalter, ihre abgestorbenen Äste fallen nicht von alleine ab. Korrekt durchgeführt, erhöht die Trockenastung den Holzwert. Astfreiheit stellt ein wichtiges Kriterium bei der Holzsortierung dar – je weniger Äste, desto höher fällt in der Regel der Wert eines Stammes aus.

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  • Mähen von Waldwiesen
    Wiesen sind ein äußerst wertvolles Biotop. Nicht nur Insekten, sondern auch Reptilien sind hier zuhause, Gräser und auch seltene Blühpflanzen prägen lichte Waldwiesen. Dem Wild dienen sie als Futterplatz – Förster nennen das Äsungsfläche – und zur Deckung, falls das Gras hoch genug steht. Waldwiesen müssen gepflegt und erhalten werden. Dafür mäht man sie zweimal im Jahr, jeweils im Mai und September. Wichtig ist darauf zu achten, dass die Wiesen nicht von Pionierbaumarten besiedelt werden – das sind Baumarten, die als erstes auf einer Freifläche anwachsen. Sonst wird aus der artenreichen Wiese schnell ein Sukzessionswald, wie das sehr frühe Stadium eines jungen Waldes auf ehemaligen Freiflächen genannt wird.

Schon gewusst?

Die Wildkräuter im Wald schmecken nicht nur gut, sie liefern auch wichtige Nährstoffe. Eine Brennnesselsuppe zum Beispiel enthält besonders viel Vitamin C, Eisen und Eiweiß. Auch die jungen, herzförmigen Blätter von Linden sind im rohen Zustand sehr schmackhaft. Im Mai kann man auch die hellgrünen Fichtentriebe – auch Mai-Wipferl genannt – sammeln. Sie können in Honig eingelegt und zu Hustensaft verarbeitet werden, auch Tee lässt sich daraus herstellen.

Sommer

Ein einzelnes Wort, das Musik in unseren Ohren ist: Sommer!

Jetzt kommt die große Hitze. Wer im Sommer Abkühlung sucht, findet sie nicht nur im Schwimmbad, sondern auch im Wald. Der Grund: Bäume dünsten sogenannte Monoterpene, die unter anderem für den typischen Waldgeruch sorgen. Diese Teilchen dienen aber auch als Kondensationskeime für Wasserdampf – und dessen Verdunstungskälte kühlt die Luft ab. Die Bäume selbst wollen an den hellsten Tagen des Jahres so viel Sonnenenergie wie möglich für die Photosynthese tanken. Die Rotbuche zum Beispiel bildet dafür kleine, leistungsfähige Lichtblätter im äußeren Bereich der Krone und große Schattenblätter für den inneren. Auch einige andere Bäume nutzen so das einfallende Licht im Sommer optimal aus.

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Bauernregel: Wenn kalt und nass der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr.

Was im Wald passiert

Familie Damhirsch bekommt ihr Junges, selten werden auch zwei Kälber geboren. Auch beim Rothirsch gibt es Nachwuchs, den er ein ganzes Jahr umsorgt. Besonders spannend zu dieser Zeit: In der Dämmerung sind häufig Jungfüchse unterwegs. Sie sind neugierig und voller Entdeckungsdrang, das überwiegt die Scheu vor Menschen. Wer jetzt vorsichtig und leise ist, dem bieten sich Möglichkeiten für spannende Begegnungen. Also Augen offen halten und psst!

Was dem Wald jetzt guttut

  • Grünastung (Juni und Juli)
    Im Wald wird es Zeit für die sogenannte Grünastung. Der Grund ist wie bei der Totastung im Mai die Erhöhung der Holzqualität der sogenannten Zukunftsbäume. Die Äste sollten bei der Grünastung keinen größeren Durchmesser als drei Zentimeter haben, da die Wunde sonst nicht vom Baum geschlossen werden kann – es besteht dann die Gefahr, dass Pilze eindringen. In einen Bestand wird die Astung immer frühzeitig durchgeführt: Die Bäume sollten nicht stärker als 15 bis 20 Zentimeter sein, gemessen ungefähr auf Brusthöhe.

Schon gewusst?

In den Deutschen Wäldern wachsen jährlich rund 110 Millionen Kubikmeter Holz nach. Davon geerntet werden nur rund 70 Millionen Kubikmeter. Es wächst also in Deutschland mehr Holz zu als genutzt wird.

Bauernregel: Im Juli muss vor Hitze braten, was im September soll geraten.shutterstock_213436570

Was im Wald passiert

Achtung, Blattzeit! So nennen Förster die Paarungszeit der Rehe – und weil die scheuen Tiere in dieser Zeit wenig achtsam sind, besteht ein erhöhtes Risiko für Wildunfälle. In Waldstücken also Fuß vom Gas. Die Brombeere ist schon reif für Sammler, und Dutzende Kräuter wie Helmkraut, Stacheldistel oder Weidenröschen blühen.

Was dem Wald jetzt guttut

  • Kulturpflege
    Ein junger Bestand, die Kultur, benötigt viel Pflege. Das gilt vor allem, wenn lichtreiche Freiflächen neu bepflanzt wurden: Gräser und andere Pflanzen können dann durch ihr schnelles Wachstum die Jungbäume überdecken, was zum Absterben der Bäume führen kann. Wichtig ist also ein rechtzeitiges Ausmähen! Das verhindert auch das Entstehen von dichten „Grasteppichen“, auf dem sich Kurzschwanzmäuse wohlfühlen, sich schnell vermehren und dann den jungen Bäumen stark zusetzen. Dass beim Ausmähen sorgfältig darauf zu achten ist, keinen der jungen Bäume zu verletzen, versteht sich von selbst.
  • Verkehrssicherungskontrolle
    Verkehrssicherung bedeutet, entlang der Straßen und Wege im Wald nach Bäumen Ausschau zu halten, die eine Gefahr für Spaziergänger darstellen könnten – das macht man auch jetzt, im belaubtem Zustand der Bäume, weil man etwa Totäste besser erkennen kann. Abgestorbene Bäume, Bäume mit Totästen in der Krone oder vom Wind umgedrückte Bäume müssen entfernt werden, um die Sicherheit der Waldbesucher zu gewährleisten. Tote Bäume im Bestand, die weit genug von einem Weg entfernt sind, bleiben jedoch im Wald: Sie stellen ein wertvolles Biotop für viele Insekten und andere Tier- und Pflanzenarten dar.

Schon gewusst?

Im zumeist wärmsten Monat des Jahres ist nicht nur den Menschen manchmal zu heiß, man sieht sogar die Laubbäume „schwitzen“: Es bildet sich ein Wasserfilm auf den Blättern. Sie können sogar zu Tropfen beginnen.

Bauernregel: Dem August sind Donner nicht Schande, sie nutzen der Luft und dem Lande.shutterstock_113746087

Was im Wald passiert

Köstlich, die Heidelbeere ist reif zur Ernte! Ihre Früchte schätzen auch Tiere, die nicht an Baum- und Buschfrüchte gelangen können, zum Beispiel das Auerhuhn und der Fuchs. Die Blindschleiche bekommt Nachwuchs, bis zu 25 Jungtiere werden lebend geboren. Auch Hase, Kaninchen und Igel freuen sich über Neuankömmlinge. Der Schwarzstorch, der im Wald lebt, tritt schon die lange Reise nach Afrika an. Von vielen sehnlichst erwartet: Die Pilzsaison beginnt. Pfifferling, Frauentäubling, Marone und Rotkappe lassen sich als erste blicken. Man sollte nur die Arten pflücken, die man zu hundert Prozent als essbar identifizieren kann. Jetzt ist auch Rücksichtnahme gefragt. Vom Waldbesitzer – und von den Sammlern: Naturschutzgebiete sind ein absolutes Tabu!

Was dem Wald jetzt guttut

  • Jungbestandspflege (auch im September)
    Die sogenannte Jungbestandspflege ist zum Beispiel nötig auf Flächen, auf denen sich nach Stürmen wie einst Wiebke und Lothar wieder neue Wälder angesiedelt haben. Sie unterteilt sich in die Dickungspflege und in die Förderung von Zukunftsbäumen. Die Dickungspflege betrifft Bäume mit einer Höhe von 2 bis 15 Metern. Ziel ist, schlecht veranlagte Stämme zu entfernen. So haben gut veranlagte Bäume mehr Platz zum Wachsen, außerdem ist die Konkurrenz um Wasser, Licht und Nährstoffe geringer. Zukunftsbäume sind besonders gut veranlagte Bäume. Sie werden jetzt markiert. Gut veranlagt heißt: Sie weisen keine sogenannte Zwiesel auf, also keine Gabelung des Stammes. Ihr Stamm ist gerade und weist keine Verletzungen auf, die Krone ist dicht und zu allen Seiten gut ausgeprägt. Worauf auch zu achten ist: Bäume mit dicken Ästen weisen eine schlechtere Holzqualität auf als Bäume mit dünnen, feinen Ästen.

Schon gewusst?

Der deutsche Wald trägt einen großen Teil zum Klimaschutz bei: Er speichert jährlich rund 2,6 Milliarden Tonnen Kohlenstoff.

Herbst

Die Tage werden kürzer und im Herbst beginnt emsiges Treiben, denn die Waldbewohner bereiten sich auf den Winter vor.

Mutter Natur hat vorgesorgt. Im Herbst gibt es eine Fülle an Früchten, Nüssen und Pilzen, mit denen sich die Tiere den Bauch vollschlagen können. Auch bei den Bäumen kann man Veränderungen betrachten. Die Blätter von Laubbäumen tränken den Wald und seine Umgebung in warme Gelb,- Orange.- und Rottöne, denn vor dem Blattabwurf entzieht der Bäum den Blättern die Nährstoffe und lagert sie bis zum nächsten Frühling ein.

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Bauernregel: Septemberwetter warm und klar, verheißt ein gutes nächstes Jahr.

Was im Wald passiert

Es ist viel los im Wald. Tausende Pilzsucher freuen sich über Steinpilze, Rotkappen und Maronen. Manche sammeln auch die Früchte von der Rosskastanie und Eichen. Kräuter wie die Glockenblume, das Heidekraut, die Brennnessel oder das Johanniskraut stehen in vollem Saft. Und was machen die Tiere? Die Rothirsche paaren sich, Siebenschläfer und Wildkaninchen bekommen Nachwuchs. Und der Kuckuck, einer der wohl bekanntesten Waldbewohner, reist ab in den Süden; auch viele andere Arten wie Graugans oder Nachtigall brechen auf ins Winterquartier.

Was dem Wald jetzt guttut

  • Schützen Sie junge Pflanzen
    Jetzt ist die beste Zeit für die Mäusebekämpfung im Wald. Bei Mäusen gibt es Phasen erhöhter Fruchtbarkeit, dann kann es zu Massenvermehrungen kommen. Sie benagen Rinde und Wurzeln von jungen Bäumen und werden unter anderem mit Fallen bekämpft. Wer im Frühjahr säen möchte, sammelt jetzt die Samen von Douglasie, Spitzahorn oder Tanne. Die Fichtenpflanzung der letzten Wochen findet jetzt seinen Abschluss.

Schon gewusst?

Die höchsten Bäume im deutschen Wald erreichen eine Höhe von über 50 Metern, Rekordhalterin ist eine Douglasie in Freiburg im Breisgau mit 68,50 Metern. Laubbäume werden meist nicht höher als 40 Meter.

Bauernregel: Fällt im Oktober das Laub sehr schnell, ist der Winter bald zur Stell‘.shutterstock_102758630

Was im Wald passiert:

Für Pilzsammler ist immer noch Saison. Die Mehrzahl der Zugvögel ist schon aufgebrochen in die südlichen Winterquartiere, Lurche, Kriechtiere und Fledermäuse wiederum suchen ihre Winterbehausungen auf. Bei den Hornissen- und Wespenvölkern beginnt das große Sterben, nur die jungen befruchteten Weibchen leben weiter. Die Roten Waldameisen ziehen sich in ihre Burg zurück. Und die Wildkaninchen freuen sich über Nachwuchs – mal wieder.

Was dem Wald jetzt guttut

  • Holzeinschlag
    Der nachhaltige Holzeinschlag beginnt – vorausgesetzt, der Boden ist trocken und nicht durch Niederschläge aufgeweicht. Ansonsten besteht die Gefahr, die Wege durch starke Furchen zu schädigen und vor allem den Waldboden übermäßig zu verdichten.
  • Herbstpflanzung
    Im Herbst bereiten sich die Bäume zwar auf den Winter vor, das Wurzelwachstum jedoch geht weiter. Das ist auch so bei den Bäumen, die im Herbst gepflanzt werden, sie können sich also gut im Boden verankern. Die Herbstpflanzung hat im Gegensatz zur Frühjahrspflanzung den Vorteil, dass die Gefahr von Trockenperioden geringer ist – die Niederschläge im Herbst und auch im folgenden Winter verhindern ein Austrocknen der jungen Bäume. Das beste Wetter zum Pflanzen von Bäumen: bedeckter Himmel, Nieselregen und Windstille. Das verhindert das Austrocknen der Feinwurzeln der jungen Pflanzen, bevor sie in den Boden kommen.

Schon gewusst?

Bei einer Wertholzversteigerung in Thüringen im Jahr 2013 wurde ein Festmeter für über 10.000 Euro verkauft. Den Wald nachhaltig zu bewirtschaften und Wertholz zu produzieren, kann sich daher sehr lohnen.

Bauernregel: November hell und klar, ist nicht übel für’s nächste Jahr.shutterstock_232142440

Was im Wald passiert

Vögel wie der Rauhfußbussard, Seidenschwanz, Tannenhäher und einige andere Arten suchen den Wald jetzt als Wintergäste auf. Blindschleiche, Grasfrosch, Kreuzotter, Ringelnatter und auch der Igel dagegen verlassen ihn. Bei den Wildschweinen beginnt jetzt Paarungszeit, die auch „Rauschzeit“ genannt wird. Der Efeu blüht, und, kaum zu glauben, auch das Gänseblümchen.

Was dem Wald jetzt guttut

  • Samenernte
    Wer später einmal säen möchte, erntet jetzt die Samen von Buche, Esche, Kiefer und Fichte. Dabei ist darauf zu achten, nur die Samen gut veranlagter Bäume einzusammeln – aus einem Samen mit „schlechten“ Genen wird auch bei bester Pflege kein guter Baum. Im November ist die Holzernte in vollem Gang. Jetzt ist auch die beste Zeit für den Laubholzeinschlag: Weil die Bäume kein Laub mehr tragen, können sie mit einem geringeren Risiko gefällt werden. Und Ende November beginnt die Weihnachtszeit, der Wald hält dafür Schmuckreisig bereit.

Schon gewusst?

Nicht alle Nadelbäume behalten ihr grünes Kleid, das im Winter durch eine Wachsschicht vor Austrocknung geschützt ist: Den Lärchennadeln fehlt dieses Wachs – wie Laub werden sie im Herbst komplett abgeworfen.

Winter

Jetzt wird es oft klirrend kalt – und leise.

Zeit für Spaziergänge im Schnee, um Stille und Natur zu genießen. Natürlich dick eingepackt. Auch die Bäume des Walde schützen sich vor Frost: Sie halten zum einen den Wassergehalt sehr gering und speichern zum anderen Zucker in Form von Stärke; größtenteils in der Rinde. Im Winter bietet der Wald auch Schutz vor der Kälte: Vielen Tieren hält er einen Unterschlupf bereit: in Baum- und Wurzelhöhlen, im gefallenen Laub und nicht zuletzt im Boden, in dem tief unten einige Tiere ihren Winterschlaf halten.

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Bauernregel: Ist der Dezember rau und kalt, kommt der Frühling auch schon bald

Was im Wald passiert

Wer denkt, in dieser Zeit wächst nichts mehr im Wald, irrt: Der Frostschneckling erblickt als letzter unter den essbaren Speisepilzen das Licht der Welt. Er braucht frostige Nächte zum Fruktifizieren, also zum Ausbilden von Samen und Frucht. Den Frostschneckling findet man nur im Wurzelbereich junger Kiefern – mannshoch bis etwa 2,50 Meter – und an lichten Waldrändern oder Wegen. Er kommt nicht häufig vor, meistens findet man ihn in den Wäldern Brandenburgs.

Was dem Wald jetzt guttut

  • Verkehrssicherungskontrolle beim Nadelholz
    Im Dezember sollten die Nadelholz-Bestände entlang der Straßen und Wege auf erkrankte Bäume kontrolliert werden. Welche Bäume haben schüttere, wenig benadelte Kronen? Sind nicht verheilte Rindenverletzungen sichtbar? Gibt es Spechtlöcher oder fällt die Rinde schon ab? Zu achten ist wie immer bei diesen Kontrollen auf Totäste, vom Wind angeschobene oder komplett abgestorbene Bäume. Was entlang der Wege aus Sicherheitsgründen nicht entfernt werden muss, bleibt im Bestand als wertvolles Totholz und Lebensraum für viele Tierarten.
    Was noch auf dem Zettel mit Erledigungen stehen kann: Einschlag von Weihnachtsbäumen, Holzrückung in Feuchtgebieten nach langanhaltendem Frost, Probesuchen nach Schadinsekten, um ihre Populationsdichte zu ermitteln. Viel zu tun!

Schon gewusst?

In Deutschland ist über ein Drittel der Landesfläche mit Wald bedeckt. Das heißt, es gibt 11,4 Millionen Hektar Wald – das entspricht der Landesfläche von Bayern und Baden-Württemberg zusammen!

Bauernregel: Wie viel Regentropfen ein Januar, soviel Schneeflocken im Mai.shutterstock_147463442

Was im Wald passiert

Der Schwarze Nieswurz blüht! Die besser als Christrose bekannte Pflanze mag buschige Hänge, lichte Buchen- und Buchenmischwälder. Man findet sie aber auch in Fichtenwäldern. Manchmal bekommt der Dachs schon im Januar Nachwuchs – nach einer Tragzeit von bis zu 13 Monaten bringt er bis zu fünf blinde Junge zu Welt. Kaum zu glauben: In manchen Jahre wandern Molche schon ab Januar. Dazu brauchen sie aber Temperaturen über Null Grad und vor allem viel Feuchtigkeit.

Was dem Wald jetzt guttut

  • Maschinenpflege und Jagdzeit
    Im eisigen Januar gibt es im Wald nicht viel zu erledigen. Waldeigentümer können jetzt zum Beispiel ihre Forstgeräte pflegen und gegebenenfalls Ersatzteile bestellen. Achtung: Im Januar ist Jagdzeit. Wer er im Wald Wintersport betreibt, sollte nicht die Wege verlassen. Waldwirtschaft und Jagd sind eng miteinander verbunden – angemessene Wilddichten sind sehr wichtig, damit der Wald wachsen kann.

Schon gewusst?

Etwa 90 Baum- und Straucharten findet man in den deutschen Wäldern. Die beiden häufigsten Baumarten sind Fichte (26 %) und Kiefer (23 %). Bei den Laubbäumen belegen Buche (16%) und Eiche (9%) die ersten beiden Plätze.

Bauernregel: Wenn’s im Februar regnerisch ist, hilft’s so viel wie guter Mist.shutterstock_136091945

Was im Wald passiert

Die Eichhörnchen sind nach ihrer Winterruhe schon wach und ziemlich aktiv. Nicht nur bei der Nahrungssuche: Schon Ende Februar beginnt die Paarungszeit, Männchen und Weibchen liefern sich dann halsbrecherische Verfolgungsjagden durch die Äste der Bäume. Auch Tiere wie der Biber oder das Wildkaninchen paaren sich im kühlen Februar, bei den Pflanzen können schon Erle oder Hasel blühen.

Was dem Wald jetzt guttut

  • Nistkästen aufhängen
    Auch für den Februar gilt: An den Bäumen wird kaum etwas gemacht. Man könnte doch aber Nistkästen für Vögel aufhängen. Bis spätestens Ende Februar beziehen viele unserer gefiederten Freunde wie Bachstelze, Rotkehlchen und Zaunkönig ihr Heim. Also nutzen Sie die letzte sich bietende Möglichkeit. Auch Fledermäuse freuen sich über Rückzugsmöglichkeiten in Form eines Fledermauskastens. Oder wie wäre es mit einem „Insektenhotel“ für unsere fleißigen Insekten? Bauanleitungen dazu findet man im Internet.

Schon gewusst?

Die Blätter einer einzigen Eiche filtern pro Jahr etwa eine Tonne Staub und Verunreinigungen aus der Luft.

Ganzjährig durchführbare Aktivitäten

Viele Aktivitäten im Wald sind auf bestimmte Monate begrenzt, doch es gibt auch welche, die das ganze Jahr über durchgeführt werden können.

  • Auszeichnen der Bestände
    Grundsätzlich bieten Wälder über das gesamte Jahr die Möglichkeit dazu, Bäume zu markieren. Unterschiede bezüglich des optimalen Zeitraumes bieten sich lediglich bei Laub- und Nadelbäumen an. Bei Laubbäumen ist es vorteilhaft, dass sie markiert werden wenn die Baumkronen noch Blätter tragen. So kann besser eingeschätzt werden, ob die Bäume krank oder gesund sind. Bei Nadelbäumen ist der Markierungszeitpunkt dagegen nicht so wichtig wie bei Laubhölzern, da sie ganzjährig grün sind. Eine Ausnahme bildet dabei lediglich die Lärche: Als einzige Nadelbaumart wirft diese im Winter ihre Nadeln ab.
  • Erholung im Wald
    Abschalten und Kraft tanken kann man im Wald zu jeder Jahreszeit. Regelmäßige Waldspaziergänge wirken sich nachweislich positiv auf den Blutdruck, das Immunsystem und unsere Psyche aus. Also gehen Sie raus und genießen Sie die Waldnatur!

„Im Wald verweilen -nicht eilen!
Horchen, nicht nur hören!
Schauen, nicht nur sehen!
Und: Bereit sein.“

-Erich Hornsmann