Projekte

Durch unsere Arbeit unterstützen wir Privatwaldeigentümer und forstliche Zusammenschlüsse bei der erfolgreichen Bewirtschaftung ihres Waldes. Um ihnen dabei immer bessere Lösungen bereitstellen zu können, arbeiten wir an einer Vielzahl spannender Projekte. Informationen zu den aktuell laufenden Projekten erhalten Sie in dieser Rubrik!

Waldklimafonds-Projekt
Privatwaldförderung Thüringen
GPS-Projekt

Waldklimafonds

Klimaschutz durch Kleinprivatwald- für Eigentümer und Gesellschaft

Das Verbundprojekt „Klimaschutz durch Kleinprivatwald- für Eigentümer und Gesellschaft“ (KKEG) wird im Rahmen des Waldklimafonds aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestags vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert.

Bei unseren Projektpartnern handelt es sich um das Thünen-Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie (Hamburg) sowie das Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz Bühl (Bühl). Übergeordnetes Ziel des Verbundprojektes ist es, Angebote für den Kleinprivatwald in Deutschland zu entwickeln und Optionen zur Umsetzung aufzuzeigen, die sowohl die Effizienz der Holzgewinnung aus dem Kleinprivatwald nachhaltig verbessern als auch der Anpassung von Wäldern an den Klimawandel und dem Naturschutz dienen.

Die wald-wird-mobil.de gGmbH freut sich, für die Durchführung des Teilvorhabens „Entwicklung eigentümerorientierter Maßnahmen für nachhaltiges Wirtschaften im Privatwald“ (EMP) verantwortlich zu sein. Hierbei geht es um die Entwicklung von innovativen, eigentümerorientierten Praxislösungen für die Beratung und Betreuung von Kleinprivatwaldeigentümern und die Aktivierung forstlicher Zusammenschlüsse.

Innerhalb des Pilotlandes Thüringen entwickeln und erproben wir die neuartigen Maßnahmen in Zusammenarbeit mit der Landesforstanstalt Thüringen Forst AöR, der Privatwaldförderung Thüringen (PPP) sowie einer Vielzahl weiterer Praxisakteure. Ziel ist jedoch, eine breite Umsetzung im bundesweiten Kleinprivatwald zu bewirken. Dies bedeutet, dass bereits während und nach der Projektlaufzeit alle Bundesländer von den in der Praxis entwickelten und erprobten Lösungen profitieren werden.

Das Projekt hat eine 3-jährige Laufzeit (2015 – 2018).

Die wichtigsten Fragen, auf welche wir mit der Entwicklung innovativer Praxislösungen antworten möchten:

Wie sehen neuartige Dienstleistungen und Angebote aus, welche…

  • …die Kosteneffizienz in der Kleinprivatwaldbewirtschaftung steigern?
  • …an die verschiedensten Eigentümerinteressen angepasst sind (finanzielle Erlöse, Brennholzversorgung, Ausgleich und Erholung, Natur- und Klimaschutz, Walderhalt für die Erben uvm.)
  • …die Bereiche „Klimaanpassung“ und „Waldnaturschutz“ gezielt abdecken.

Durch die Schaffung standardisierter Angebote sowie die verstärkte Nutzung effizienter digitaler Lösungen sollen die künftigen Kosten der Kleinprivatwaldbewirtschaftung gesenkt werden. Eine starke Orientierung an den Wünschen der Waldeigentümer wird dabei durch eine Vielzahl an Auswahlmöglichkeiten erreicht. Im Ergebnis werden neuartige Dienstleistungsangebote und Instrumente für den Kleinprivatwald entwickelt sowie in der Praxis getestet und bereitgestellt. Die Entwicklung geschieht unter besonderer Beachtung der Ansprüche an Klimaanpassung und Waldnaturschutz.

  • Wie können ehrenamtliche Vorstände forstlicher Zusammenschlüsse mit Hilfe maßgeschneiderter IT- Lösungen bei der Bewältigung ihrer täglichen Aufgaben unterstützt werden?
  • Wie kann erreicht werden, dass forstliche Zusammenschlüsse auf die speziellen Bedürfnisse des Kleinprivatwaldes eingehen und somit Mitglieder neu gewinnen und dauerhaft betreuen können?

Die im Tagesgeschäft der forstlichen Zusammenschlüsse anfallenden Aufgaben in der Mitglieder- und Flächenverwaltung werden stark vereinfacht. Speziell dafür wird ein bedienerfreundliches und effizientes IT- System entwickelt. Dies soll den ehrenamtlichen Vorständen die Möglichkeit geben, sich intensiver um die Mitgliedergewinnung und -betreuung zu kümmern und sich weniger mit zeitaufwendigen administrativen Aufgaben auseinandersetzen zu müssen. Das IT- System wird speziell auf die Bedürfnisse des Kleinprivatwaldes abgestimmt und bietet inaktiven forstlichen Zusammenschlüssen die Möglichkeit, ihre Arbeit erfolgreich zu bewältigen, zu wachsen und sich zu aktiven Marktpartnern zu entwickeln.

Wie sieht ein Holzmarketingsystem aus, das…

  • …Kleinstmengen aus dem Kleinprivatwald effizient vermisst und vermarktet?
  • …eine unkomplizierte, zügige Bezahlungsabwicklung für den Waldeigentümer gewährleistet?
  • …eine verlässliche Holzqualität und einen effizienten Einkauf für die Abnehmerseite sicherstellt?

Mit Hilfe einer Waldbesitzerbefragung und den daraus resultierenden Ergebnissen werden Angebote und Umsetzungsvorschläge entwickelt, die speziell auf die Bedürfnisse und Wünsche von Kleinprivatwaldbesitzern abgestimmt sind. Des Weiteren soll mit Hilfe der Ergebnisse aus den Befragungen ein Holzmarketingsystem entwickelt werden, welches sowohl von Zusammenschlüssen als auch Betreuern und Rohstoffabnehmern angewendet werden kann. Dies bedeutet, dass sowohl die Wünsche der Holzanbieter als auch der Holzabnehmer Berücksichtigung finden. Im Ergebnis sinkt die Rentabilitätsschwelle, den Waldeigentümern bleibt mehr Geld übrig und die Abnehmerseite profitiert von einem verbesserten Holzeinkauf im Kleinprivatwald.

  • Wie können ehrenamtliche Vorstände bezüglich einer effizienten Betreuung ihrer Mitglieder sowie dem effizienten Management ihrer Zusammenschlüsse geschult werden?

Ein wichtiges Kriterium für den Erfolg forstlicher Zusammenschlüsse ist, dass ehrenamtliche Vorstände das nötige Fachwissen sowie die notwendigen Kompetenzen erlangen, um die Geschäfte ihrer Zusammenschlüsse erfolgreich führen zu können. Dieses soll durch gezielte Schulungsangebote gewährleistet werden. Mit Hilfe der Ergebnisse der Waldbesitzerbefragung werden die Schulungsmodule bedarfsorientiert entwickelt, damit die Vorstände der Forstbetriebsgemeinschaften optimal auf die Wünsche ihrer Mitglieder eingehen können.

 

  • Wie können verschollene Waldeigentümer effizient ermittelt werden?
  • Wie kann im Falle eines dauerhaften Nichtauffindens von Eigentümern der Wald trotzdem zum Wohle von Mensch und Umwelt gepflegt werden?
  • Wie kann man effizient bewirtschaftungsfähige Waldflächen in kleinparzellierten Besitzstrukturen schaffen?

Es wird ein Verfahren auf Basis von sozialen Netzwerken entwickelt, das beim Auffinden verschollener Waldeigentümer hilft. Kann der Eigentümer einer Waldfläche dauerhaft nicht ausfindig gemacht werden, so soll ein juristisches Standardverfahren beschrieben und getestet werden, welches gestattet, diese Waldflächen trotzdem in Bewirtschaftung zu bringen. Dies kann bspw. mit Hilfe einer amtsgerichtlichen Vertreterbestellung erfolgen. Das bedeutet, dass ein qualifizierter Vertreter für den nicht auffindbaren Eigentümer bestimmt wird, der den Wald bis zur Ermittlung des rechtmäßigen Eigentümers bewirtschaften kann. Dieses Verfahren soll in einem zweiten Schritt dahingehend weiterentwickelt werden, dass forstliche Zusammenschlüsse es in Eigenregie anwenden können.

Darüber hinaus wird ein stark vereinfachtes, praxisorientiertes Verfahren zur Waldflurbereinigung unter Zuhilfenahme von Waldgenossenschaften entwickelt, das sich in drei Schritte untergliedert:

  1. Ermittlung von Beteiligten & Bestellung von Bevollmächtigten
  2. Neugründung oder Eingliederung in eine bestehende Genossenschaft
  3. Aufstellung eines Zusammenlegungsplans

Das entwickelte Standardverfahren kann bundesweit Anwendung finden, um die Bodenneuordnung in forstlichen Problemregionen zu vereinfachen.

  • Wie können sich interessierte Waldeigentümer, welche kein Teil der forstlichen Informationsnetzwerke sind, über die nachhaltige Pflege und Nutzung ihrer Wälder informieren?
  • Wie kann ein lebendiger Dialog mit ihnen aufgenommen und aufrechterhalten werden, um Sie bei der Erfüllung Ihrer Waldziele zu unterstützen und Hilfsangebote zu übermitteln?

 

Mit Hilfe einer online geschalteten Videoserie zu Leitthemen der Kleinprivatwaldbewirtschaftung sollen sich Waldbesitzer informieren können. Ihnen soll Freude am Waldbesitz vermittelt werden und sie sollen erkennen können, welche Chancen mit dem eigenen Wald verbunden sind. Darüber hinaus wird gezielt über vielfältige Hilfsangebote aufgeklärt.

Auch wird der Aufbau einer Dialogfunktion getestet, um in Austausch mit den Eigentümern zu treten sowie speziell auf ihre Fragen und Wünsche eingehen zu können.

Wie können neuartige Partnerschaften aussehen,…

  • …von denen sowohl der Kleinprivatwald als auch die Bündnispartner profitieren und mit deren Hilfe das Betreuungsproblem im Kleinprivatwald gelöst werden kann?
  • …welche dazu dienen können innovative Beratungslösungen, welche aus dem Waldklimafonds-Projekt hervorgehen, bundesweit zu testen, laufend zu verbessern und in der Praxis zu verankern?

Mit dem Aufbau von Bündnissen verschiedenster Partner aus den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und öffentlicher Hand sollen Nutzung, Klimaanpassung und Biodiversität gleichermaßen berücksichtigt werden. Dadurch kann das Netzwerk an die jeweiligen Problemregionen (städtisch oder ländlich) angepasst werden und der Kleinprivatwald kann von den Stärken der Partner profitieren.

Durch die Lernfortschritte auf Grundlage von Waldbesitzerbefragungen und Angebotsentwicklungen kann die Erreichbarkeit von Waldeigentümern weitergehend optimiert werden.

Durch den Einbezug neuartiger Partner mit unterschiedlichen Kompetenzen kann eine verbesserte sowie verstetigte Beratung und Betreuung im Kleinprivatwald gewährleistet werden. Das Konzept solcher Partnerschaften soll im Rahmen des Wissens- und Methodenaustausches bundesweit interessierten Partnern zur Verfügung stehen.

Ebenfalls ermöglicht es dieser Projektbaustein, die in der Praxis erprobten Neuerungen, welche im Rahmen des Waldklimafonds-Projektes entwickelt werden, in anderen Bundesländern durchzuführen. Erfolgreich getestete und für wirksam befundene Praxislösungen können somit bundesweit in der Kleinprivatwaldberatung- und Betreuung Anwendung finden.

Privatwaldförderung Thüringen

Das Public-Private-Partnership-Projekt (PPP)

Im Jahr 2006 wurde die Privatwaldförderung Thüringen (PPP) als erste öffentlich-private Partnerschaft im Bereich der Kleinprivatwaldmobilisierung gegründet. Bei den Projektpartnern handelt es sich um das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, die Thüringen Forst AöR sowie den Verband der Mitteldeutschen Holzwaren- und Schnittholzindustrie. Um das geschaffene Bündnis mit Personal und innovativen Lösungen zu stärken sowie einen Ansprechpartner auf Bundesebene zu schaffen, folgte 2007 die Gründung der wald-wird-mobil.de gemeinnützige GmbH.

Ziel des Projektes ist die Aktivierung passiver Waldeigentümer, eine Optimierung der Beratung und Betreuung sowie eine Stärkung forstlicher Zusammenschlüsse.

Seit 2006 wurden durch die Arbeit der Privatwaldförderung Thüringen bislang ca. 6.000 Waldeigentümer und somit rund 14 600 Hektar Kleinprivatwaldfläche in Thüringen nachhaltig aktiviert (Stand: April 2015). Das heißt, viele Waldeigentümer, die ihren eigenen Wald zuvor nicht bewirtschaftet haben, konnten über die Zusammenarbeit mit uns und unseren Partnern von den vielfältigen Vorteilen und Chancen einer aktiven Waldpflege überzeugt werden. Viele der Eigentümer werden durch das Projekt initial mit ihrem Wald in Kontakt gebracht. Darüber hinaus bekommen diese mit Hilfe modernster GPS-Technik die Grenzen ihres Waldes angezeigt und erhalten weiterführende Beratungs- und Hilfsangebote.

Über die Aktivierung der benannten Waldfläche in Thüringen kann im kommenden 10-Jahreszeitraum ein nachhaltiges Nutzungspotenzial von ungefähr 1,1 Millionen Erntefestmeter Holz erschlossen werden (Berechnungsgrundlage: BWI 3).

Durch diese zusätzlich mobilisierte Holzmenge können ca. 1400 Arbeitsplätze im Cluster „Forst & Holz“ des Freistaates Thüringen erhalten werden. Darüber hinaus werden jährlich bereinigte Steuereinnahmen in Höhe von ca. 7 Millionen Euro für den Freistaat Thüringen ermöglicht (Berechnungsgrundlage: Bombosch und Steffens, 2008). 

Der Weg der Aktivierung passiver Waldeigentümer verläuft in drei Stufen:

  • In der ersten Stufe werden die bislang inaktiven Waldeigentümer dauerhaft aktiviert und in Betreuung gebracht.
  • In der zweiten Stufe geht es darum, die staatlichen und privaten Betreuer in die Lage zu versetzen, eine intensivierte und qualitativ hochwertige Betreuung leisten zu können.
  • In der dritten Stufe werden forstliche Zusammenschlüsse, da wo notwendig, ins Leben gerufen. Darüber hinaus werden Sie gezielt in ihrer Arbeit unterstützt, um sie erfolgreich zu machen.

Gefördert durch:

GPS-Projekt

GPS-Grenzfindung in Eigenregie

Ein Viertel der Gesamtfläche des deutschen Waldes gehört privaten Eigentümern mit Waldbesitzgrößen von unter 20 Hektar. Viele dieser kleinen Flächen liegen verstreut, weisen sehr ungünstige Flächenformen auf und werden nicht aktiv bewirtschaftet. Ein sehr bedeutendes Problem stellt dabei dar, dass sich viele Eigentümer nicht sicher sind, wo ihre Waldflächen überhaupt liegen und wo ihre Waldgrenzen anfangen und enden – sie sehen sozusagen vor lauter Bäumen ihren Wald nicht mehr. Das sichere Wissen um den Verlauf der Grenzen des eigenen Besitzes ist jedoch elementar wichtig, um rechtssicher und mit gutem Gefühl im Wald aktiv werden zu können. Um genau dort anzuknüpfen hat die wald-wird-mobil.de gemeinnützige gGmbH zusammen mit der Privatwaldförderung Thüringen und der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal GmbH & Co. KG sowie mit finanzieller Unterstützung der Landwirtschaftlichen Rentenbank Mitte 2015 das Projekt zur „GPS-Grenzfindung in Eigenregie“ in Gang gebracht. Im Rahmen dessen wurden fünf forstliche Zusammenschlüsse verschiedener Größen mit modernster GPS-Technik ausgestattet. Dies soll den Zusammenschlüssen ermöglichen, ihren Mitgliedern durch Anzeige ihrer Eigentumsgrenzen eine attraktive Dienstleistung anzubieten und gleichzeitig neue Mitglieder dadurch zu gewinnen, so dass diese wachsen können. Die Zusammenschlüsse werden dabei fachlich durch die Mitarbeiter der Privatwaldförderung Thüringen betreut, welche die GPS-Grenzfindung bereits seit vielen Jahren selbst anbietet – der Bedarf ist jedoch nach wie vor sehr hoch.

Eine Evaluierung der Projektfortschritte nimmt die Universität Göttingen vor. Sollte sich dieses Modell zur Stärkung von Kleinprivatwald und forstlichen Zusammenschlüssen als erfolgreich erweisen, so kann es in vielen anderen Regionen zur Anwendung kommen – national und international.