Nachhaltige Waldwirtschaft

Unsere Zielstellung umfasst eine nachhaltige Bewirtschaftung des Privatwaldes. Aber was bedeutet eigentlich „nachhaltig“?

Nachhaltigkeit ist in Deutschland seit nun mehr als 300 Jahren das leitende Prinzip der Waldwirtschaft. Damals wurde der Begriff so verstanden, dass nur so viel Holz aus dem Wald entnommen werden sollte, wie auch wieder nachwachsen kann. Seitdem hat sich das Verständnis von Nachhaltigkeit ständig weiterentwickelt. Heutzutage berücksichtigt eine nachhaltige Waldwirtschaft dauerhaft alle Ansprüche von Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft – gleichberechtigt, das heißt ohne einen dieser wichtigen Bereiche zu vernachlässigen.
Zielstellung einer „nachhaltigen Waldwirtschaft“ ist es also, dauerhaft sowie auf bestmögliche Weise die vielfältigen Leistungen des Waldes zum Nutzen der gegenwärtigen sowie auch künftigen Generationen sicherzustellen.

Die ökologischen Zielstellungen einer nachhaltigen Waldwirtschaft gewinnen im Hinblick auf die Verknappung nicht-erneuerbarer Rohstoffe und den Klimawandel immer weiter an Bedeutung. Eine gezielte sowie regelmäßige Waldpflege sorgt dafür, dass der Wald erhalten wird und gesund bleibt. Somit ist er bestmöglich darauf vorbereitet, sich verändernden klimatischen Bedingungen anzupassen. Dadurch kann er weiterhin als intakter Lebensraum für eine Vielzahl an Pflanzen und Tiere dienen, wichtige Schutzfunktionen für Mensch & Umwelt bereitstellen sowie seine bedeutende Rolle als CO2-Speicher erfüllen und dem Klimaschutz dienen.

0%
der Gesamtfläche Deutschlands sind bewaldet. Das entspricht einer Größe von Bayern und Baden- Württemberg zusammen

Das im Rahmen des Wachstums der Bäume fixierte Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) wird im Übrigen nicht nur im stehenden Holz des Waldes gespeichert, sondern bleibt insbesondere auch langfristig in Holzprodukten wie beispielsweise Papier, Möbeln oder im Holzhausbau gebunden. Je länger der Verwendungszeitraum des Holzproduktes andauert, desto besser ist dies für unser Klima: Denn einmal im Holz „gefangen“, verbleibt das CO2 dort in Form von Kohlenstoff bis zu einer möglichen Verbrennung oder Umsetzung durch Mikrolebewesen. Deshalb spricht man diesbezüglich auch vom klimaschützenden „Holzproduktspeicher“ – dem Endlager für klimaschädliches CO2.

Im wirtschaftlichen Bereich geht es darum, nachhaltig Erlöse für den Waldeigentümer zu generieren. Dies ist insbesondere auch im Hinblick auf die kleinen Flächengrößen im Kleinprivatwald sehr wichtig, um dessen nachhaltige Bewirtschaftung sicherzustellen. Über eine gezielte Waldpflege und Wertschöpfung sowie regelmäßige Nutzung wird das Engagement der Waldeigentümer finanziell belohnt. Durch die Erschließung zusätzlicher Holzmengen, welche dem Markt zugeführt werden, erhöhen sich die Steuereinnahmen für den Staat. Im Ergebnis wird unsere Volkswirtschaft gestärkt.
Die Entwicklung des ländlichen Raumes wird darüber hinaus durch die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Forst- und Holzwirtschaft gestärkt, da der so wichtige erneuerbare Rohstoff Holz produziert und im Rahmen der Wertschöpfungskette verarbeitet werden kann. Vor allem in den ländlichen Gebieten ist das Cluster „Forst und Holz“ ein sehr wichtiger Arbeitgeber.

Für unsere Gesellschaft stellt der Wald einen bedeutenden Zufluchtsort dar. Dies gilt insbesondere in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland. Er ist für viele ein wichtiger Raum für den Ausgleich vom Arbeitsalltag und die individuelle Freizeitgestaltung. Deswegen wird bei einer nachhaltigen Waldwirtschaft auf den Schutz der Natur geachtet und der Erholungsraum Wald wird gezielt erhalten. Darüberhinaus dient der Wald als Ort der Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung sowie der Wissenschaft.

Letztendlich ist es wichtig zu erkennen, dass Waldbewirtschaftungsmaßnahmen nur dann umfassend nachhaltig sind, wenn keine der drei Nachhaltigkeitssäulen vernachlässigt wird. Erfreulicherweise haben positive Auswirkungen in einem Bereich oftmals zugleich auch positive Auswirkungen auf die anderen. So führen kompetent durchgeführte Waldpflegemaßnahmen –neben der erhöhten Wertschöpfung für den Eigentümer- beispielsweise zum Erhalt von Arbeitsplätzen, der Stärkung der Volkswirtschaft und der Nutzung des erneuerbaren Rohstoffes Holz. Dies spart fossile Rohstoffe ein und bewirkt zudem, dass langfristig CO2 in Wald und Holz gespeichert werden kann.

0%
der deutschen Wälder befinden sich in privater Hand.

Durch die gezielte Entnahme von Bäumen und die damit verbundene „Auflichtung“ des Waldbestandes, werden zudem licht- und wärmeliebende Arten gefördert und somit die Artenvielfalt erhöht. Auch wird das Bodenleben (Mikroorganismen und Pilze) durch den neugewonnenen Lichteinfall und die damit verbundene Erwärmung des Bodens aktiviert, was zu einer verbesserten Umsetzung von organischem Material (Blätter, Nadeln, Äste…) führt. Durch dabei freigesetzte Nährstoffe wird in der Folge die Fruchtbarkeit des Standortes erhöht, was wiederrum zu einem verbessertem Holzzuwachs führt…worüber sich wiederum der Eigentümer freut, mehr CO2 gespeichert wird…und…und….und.

Umwelt

  • Waldpflege und Walderhalt
  • Klimaanpassung
  • Klimaschutz
  • Naturschutz

Wirtschaft

  • Wertschöpfung für Waldeigentümer
  • Höhere Steuereinnahmen für den Staat

Gesellschaft

  • Erhalt von Arbeitsplätzen in Forst- und Holzwirtschaft
  • Wald als Erholungsraum
  • Ort für Wissenschaft und Bildung

Der deutsche Kleinprivatwald: Ungenutzte Potentiale – ungenutzte Chancen

Deutschland besitzt im europäischen Vergleich sehr viel Wald. Bei einem Viertel der Waldbesitzflächen handelt es sich jedoch um sehr kleine, sowie oftmals zersplitterte Parzellen. Diese sind bei Einzelbewirtschaftung deutlich schwerer zu bewirtschaften als große zusammenhängende Waldgebiete. Doch genau diese vielen kleinen Flächen besitzen ein enormes Potential für die Umsetzung einer nachhaltigen Waldwirtschaft sowie eines wirksamen Klimaschutzes in Deutschland. Die Flächen der Kleinprivatwälder weisen oftmals einen überdurchschnittlichen Holzvorrat auf – d.h. die jährliche Holznutzung liegt weit unter dem jährlichen Holzzuwachs. Diese sogenannten „Pflegerückstände“ führen dazu, dass die vorhandenen Klimaschutzpotentiale des Kleinprivatwaldes nur unzureichend ausgenutzt werden können. Auch führen Pflegerückstände zu finanziellen Einbußen für den Eigentümer sowie zu unkalkulierbaren Risiken für den Wald.

0%
der deutschen Waldflächen zeichnet sich durch Besitzgrößen unter 20 Hektar (1 Hektar=10.000m2) aus.

In einem gar nicht oder nicht ausreichend gepflegten Wald, wie er im Kleinprivatwald oft anzutreffen ist, kommt es zu einem verringerten Wachstum der Bäume bzw. eines Verlustes des Holzzuwachses. Dies rührt daher, dass sich die zumeist eng stehenden Bäume im erhöhten Wettbewerb um Licht, Wuchsraum, Wasser und Nährstoffe befinden. Dadurch wird zwar das Höhenwachstum angeregt, da jeder Baum versucht nach oben zum Licht zu streben, um zu überleben. Die Bäume können jedoch kaum an Volumen zulegen bzw. „dick“ und stabil werden. Dies liegt insbesondere auch daran, dass sich die Kronen im vorherrschenden Engstand nicht ausreichend entwickeln können. In der Folge verliert der Wald an Wert und wird zunehmend instabil: Bei starkem Wind, Nassschnee oder Eisanhang kann er schnell unter der Last zusammen brechen. Auch können bei zusätzlicher Schwächung des Waldes durch andere ungünstige Umstände, wie bspw. langanhaltende Trockenheit, sogenannte „sanitäre Probleme“ auftreten: Forstschädlinge, wie zum Beispiel der Borkenkäfer namens „Buchdrucker“ im Fall eines Fichtenwaldes, können sich unter diesen Voraussetzungen stark vermehren und zu erheblichen Verlusten führen.

Solche drastischen Folgen können durch eine rechtzeitige Waldpflege vermieden werden, indem auf die richtige Baumart sowie eine angemessene Zahl an Bäumen je Flächeneinheit geachtet wird. Ziel muss es sein, dass jeder Baum sein eigenes „Tellerchen“ hat, von welchem er sich ernährt. Ernähren sich zu viele Bäume dauerhaft von einem Teller, so werden sie schwach und anfällig. Bei Bäumen verhält es sich diesbezüglich nicht anders als bei Menschen oder Tieren. Auch wenn es nicht so erscheint, wenn man einen Wald betritt: Die Ressourcen sind beschränkt und die einzelnen Bäume befinden sich im ständigen Wettbewerb um diese. Bei der Waldpflege und –bewirtschaftung dreht es sich also unter anderem darum, wie Licht und andere lebenswichtige Ressourcen möglichst sinnvoll verteilt werden können, um einen Waldbestand zu schaffen, der vital ist, dauerhaft alle wichtigen Waldfunktionen erfüllt und zudem an Wert zuwächst. Wichtig zu verstehen ist dabei: Ein erhöhter Holzzuwachs ist immer gleichbedeutend mit erhöhtem Klimaschutz, da das klimaschädliche Kohlendioxid im Rahmen des Baumwachstums aus der Atmosphäre entnommen und in Form von Kohlenstoff im Holz gebunden wird!

Ein nicht bewirtschafteter Wald, der sich selbst überlassen wird, bringt jedoch noch weitere negative Auswirkungen mit sich. Ein instabiler Wald, in dem viele Bäume absterben, ist nicht nur sehr unattraktiv – er kann auch gefährlich sein. Einzelne Bäume können jederzeit umknicken und Waldbesucher schwer verletzen. Eine wichtige Waldfunktion kann somit eingeschränkt werden: Die Erholungsfunktion. In der heutigen, schnelllebigen Zeit sehnen sich die Menschen verstärkt nach Ruhe und Erholung. Ein Waldbesuch kann Wunder bewirken, wie sicher schon selber einmal erfahren konnten.

0.4 ha
beträgt die durchschnittliche Privatwaldbesitzgröße je Eigentümer.

Des Weiteren können durch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung des Kleinprivatwaldes Arbeitsplätze geschaffen und erhalten werden. Von der Pflanzung, über die Pflege und das Markieren der zu fällenden oder zu erhaltenden Bäume, bis hin zum Einsatz verschiedener Erntemaschinen und der Weiterverarbeitung in der Holz- oder Papierindustrie bietet der deutsche Wald mehr Menschen Arbeit, als zum Beispiel die Automobil- oder die Elektroindustrie. Das Cluster „Forst & Holz“ in Deutschland beschäftigt fast. 1 Mio Menschen und seine 160 000 Betriebe erzielen einen jährlichen Umsatz von 114 Milliarden Euro! Insbesondere im ländlichen Raum stellt die Forst- und Holzwirtschaft einen unverzichtbaren Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor dar.

[…] Die Wälder schweigen, doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden […].
– Erich Kästner

Auch für den Kleinprivatwaldeigentümer ergeben sich Vorteile durch die nachhaltige Bewirtschaftung. Das neu aufkeimende Umweltbewusstsein im Zuge des Klimawandels und die damit einhergehende steigende Nachfrage nach dem erneuerbaren, sowie in jeder Hinsicht attraktiven Rohstoff Holz bedeutet für den Waldeigentümer eine erhöhte Wertschöpfung. Der Holzverkauf bringt ihm einen klaren finanziellen Nutzen.

Um die aufgeführten Potentiale des Kleinprivatwaldes für Eigentümer, Gesellschaft, Wirtschaft sowie Klima und Umwelt nutzbar zu machen, muss daher auf möglichst großer Fläche eine nachhaltige Waldwirtschaft Umsetzung finden. Denn nur eine nachhaltige Waldwirtschaft garantiert allen wichtigen Funktionen des deutschen Waldes dauerhaft gerecht zu werden.

Wussten Sie schon…?

  • Kohlenstoffdioxid ist in erster Linie ein Gas und ein natürlicher Bestandteil der Luft
  • Pflanzen benötigen es für die Photosynthese und somit das Pflanzenwachstum
  • Die durch den Menschen verursachte Erhöhung der CO2– Konzentration fördert die viel diskutierte Klimaerwärmung
  • Eine 100 Jahre alte Fichte hat der Atmosphäre im Laufe ihres Lebens etwa 2 Tonnen CO2 entzogen und in ihrem Holz gespeichert